Anweiden: Pferde behutsam an die Weide gewöhnen
Wann sollte mit dem Anweiden begonnen werden?
Mit den ersten warmen Tagen im Jahr beginnt das Gras auf den Wiesen wieder zu wachsen und die Vorfreude auf die Weidesaison steigt – sowohl bei den Pferden als auch bei den Besitzern und Stallbetreibern. Nach der winterlichen Phase mit überwiegender Heufütterung bedeutet der Wechsel auf frisches Grün jedoch eine erhebliche Umstellung für den gesamten Organismus des Pferdes.
Daher erfordert der Übergang besondere Aufmerksamkeit: Der Verdauungstrakt muss sich erst schrittweise an das neue, energiereichere Futter anpassen. Erfolgt die Umstellung zu abrupt, können Verdauungsprobleme wie Kotwasser und Durchfall auftreten, was im schlimmsten Fall sogar zu Hufrehe führen kann. Ein gut durchdachtes Anweiden sorgt dafür, dass sich der Stoffwechsel langsam anpassen kann und gesundheitliche Risiken minimiert werden.
Als praktische Orientierung gilt die sogenannte „Bierflaschenregel“: Sobald das Gras eine Höhe von etwa 20 cm erreicht hat – also etwa so hoch wie eine stehende Bierflasche –, ist ein geeigneter Zeitpunkt für den Beginn des Anweidens gekommen. In den meisten Regionen fällt dieser Zeitraum in die Phase zwischen Mitte April und Anfang Mai. Witterung und Standortbedingungen können diesen Termin jedoch beeinflussen, sodass sich der Start der Weidesaison entsprechend verschieben kann.
Pferde ohne Stoffwechselprobleme anweiden
Damit sich die Darmflora des Pferdes problemlos auf das frische Gras einstellen kann, sollte die Futterumstellung schrittweise erfolgen. Ein zu schneller Wechsel belastet den Verdauungstrakt unnötig, daher ist ein durchdachtes Vorgehen entscheidend. Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob es sich um ein gesundes oder um ein stoffwechselempfindliches Pferd handelt.
Für gesunde Pferde gilt:
Zu Beginn sollte die Weidezeit nicht mehr als 15 Minuten betragen – auch wenn die Pferde danach nur ungern wieder in den Stall zurückkehren. Zudem empfiehlt es sich, das Anweiden in den Nachmittagsstunden durchzuführen, da der Gehalt an Fruktanen im Gras zu dieser Tageszeit niedriger ist als am Morgen. Die Weidezeit kann etwa alle 2–3 Tage um rund 15 Minuten verlängert werden, sodass nach etwa vier Wochen eine Dauer von zwei Stunden am Nachmittag erreicht wird.
Sobald sich das Pferd nach den ersten zwei Wochen an das Weidegras gewöhnt hat und die Temperaturen es zulassen (keine Nachtfröste), kann zusätzlich ein kurzes Angrasen am Vormittag eingebaut werden. Auch hier gilt die 15-Minuten-Regel mit einer schrittweisen Verlängerung alle 2–3 Tage in der ersten Woche. In der letzten Woche kann das Vormittagsintervall weiter gesteigert werden, etwa in 30-Minuten-Schritten alle 2–3 Tage. Ziel ist es, nach vier Wochen eine Weidezeit von etwa zwei Stunden am Vormittag und zwei Stunden am Nachmittag zu erreichen.
Stoffwechselempfindliche bzw. vorbelastete Pferde anweiden
Bei Pferden mit Stoffwechselproblemen sowie bei deutlich übergewichtigen Tieren ist beim Anweiden besondere Vorsicht geboten. Das gilt insbesondere für leichtfuttrige Robustpferde und Tiere mit erhöhter Hufreheanfälligkeit. In diesen Fällen sollte grundsätzlich mehr Zeit eingeplant werden, da die Futterumstellung besonders sorgfältig erfolgen muss. Bereits kleine Entgleisungen können ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen.
Zu Beginn sollte mit wenigen Minuten Weidezeit pro Tag gestartet werden, mit dem Ziel, nach der ersten Woche etwa 15 Minuten am Nachmittag zu erreichen. In der zweiten Woche kann die Weidezeit am Nachmittag auf maximal 20 Minuten gesteigert werden. Ab der dritten Woche wird zusätzlich der Vormittag schrittweise einbezogen, sodass bis zum Ende dieser Woche etwa 20 Minuten Weidezeit sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag erreicht werden.
In der vierten und fünften Woche kann die Weidezeit weiter vorsichtig erhöht werden. Dabei sollte der Vormittag maximal 30 Minuten und der Nachmittag höchstens 60 Minuten umfassen. Generell gilt für vorbelastete Pferde ein konsequentes Weidemanagement mit limitiertem Weidezugang.
Je nach Schweregrad der Stoffwechselstörung oder individueller Empfindlichkeit kann es notwendig sein, den Weidegang deutlich einzuschränken oder in manchen Fällen vollständig darauf zu verzichten. Im Zweifel sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Viele Ponys neigen zudem dazu, nahezu ununterbrochen zu fressen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, die Weidezeiten besonders langsam zu steigern oder streng zu begrenzen. Gegebenenfalls kann auch der Einsatz einer Fressbremse helfen, die Grasaufnahme zu kontrollieren. Gleiches gilt für übergewichtige Pferde: Das energiereiche und eiweißhaltige Frühlingsgras muss unbedingt in die gesamte Futterration sowie in das Bewegungsmanagement einbezogen werden, da andernfalls die Gefahr einer weiteren Gewichtszunahme besteht.
Optimale Fütterung beim Anweiden
Damit es während der Futterumstellung beim Weidegang nicht zu Verdauungsproblemen wie Durchfall oder Koliken kommt, sollte das Pferd vor dem Weidegang bereits ausreichend Heu gefressen haben. So wird der erste Hunger gestillt und verhindert, dass die Tiere das junge Gras hastig und in großen Mengen aufnehmen
Wichtig ist außerdem, Kraftfutter nicht direkt vor oder nach dem Weidegang zu geben. Andernfalls kann es in Kombination mit den frischen Grasmengen zu schnell durch den Verdauungstrakt gelangen und unverdaut in den Dickdarm übertreten. Dort kann es die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen, was schwerwiegende Folgen wie zum Beispiel Hufrehe auslösen kann.
Pferde im Frühjahr anweiden – Verdauungsprobleme vermeiden
Während der Umstellung auf die Weidesaison reagieren viele Pferde empfindlich mit Durchfall oder anderen Störungen im Verdauungstrakt. Ursache ist die notwendige Anpassung der Darmflora an das veränderte Futterangebot. In den Wintermonaten besteht die Ration überwiegend aus Heu, Heulage und Stroh – Futtermittel mit hohem Faseranteil und vergleichsweise geringem Eiweißgehalt. Entsprechend dominieren im Darm Bakterien, die genau auf diese Nahrung spezialisiert sind.
Mit Beginn der Weidezeit verändert sich die Zusammensetzung des Futters deutlich: Frisches Gras enthält mehr Wasser und Eiweiß. Damit die Verdauung weiterhin reibungslos funktioniert, muss sich die Darmflora zunächst an diese neuen Bedingungen anpassen. Dieser Prozess dauert in der Regel etwa zwei Wochen.
Wird das Pferd zu schnell an das junge Gras gewöhnt, kann die vorhandene Darmflora die Nährstoffe nicht ausreichend verarbeiten. Die Folge können Durchfall, vermehrte Gasbildung oder sogar Koliken sein. Daher ist ein langsames und kontrolliertes Anweiden besonders wichtig.
Um den Verdauungstrakt in dieser sensiblen Phase gezielt zu unterstützen, kann eine kurweise Fütterung über etwa 30 Tage sinnvoll sein. Präparate mit probiotischen Komponenten und ausgewählten Nährstoffen helfen, das Gleichgewicht der Darmflora zu stabilisieren und Verdauungsstörungen vorzubeugen.
Ergänzend kann während der Anweidezeit auch der Einsatz von EQUIPUR - digest plussinnvoll sein. Die enthaltene Kombination aus Kräutern, probiotisch wirkenden Bestandteilen und weiteren funktionellen Inhaltsstoffen kann den Magen-Darm-Trakt entlasten und die Verdauung unterstützen. Bei empfindlichen Pferden kann eine längerfristige Anwendung während der Weidesaison sinnvoll sein.
Anweiden im Frühjahr – Hufrehe-Risiko durch Fruktane beachten
Gräser speichern überschüssige Energie aus der Photosynthese in Form sogenannter Fruktane. Dabei handelt es sich um komplexe Zuckerverbindungen, die bei zu hoher Aufnahme nicht vollständig im Dünndarm des Pferdes verdaut werden. In der Folge gelangen sie in den Dickdarm, wo sie von Mikroorganismen zersetzt werden. Dieser Gärungsprozess kann das Gleichgewicht im Darm erheblich stören: Der pH-Wert sinkt deutlich, wodurch nützliche Darmbakterien absterben. Infolge dieser Veränderungen entstehen schädliche Stoffe, die über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen und dort die Gefäße beeinträchtigen können. Davon sind vor allem feine Gefäßstrukturen betroffen, wie sie unter anderem in der Huflederhaut vorkommen. Wird dieses empfindliche Gewebe geschädigt, kann sich eine Hufrehe entwickeln – eine ernstzunehmende Erkrankung, bei der die Verbindung zwischen Hufbein und Hufkapsel angegriffen wird.
Früher wurde vor allem ein zu hoher Eiweißgehalt im Futter als Auslöser vermutet. Heute gilt jedoch ein erhöhter Fruktangehalt im Gras als wesentlicher Risikofaktor. Gerade im Frühjahr, wenn das junge Gras besonders reich an Fruktanen ist, steigt die Gefahr deutlich – insbesondere während der Anweidezeit.
Für empfindliche oder vorbelastete Pferde kann eine gezielte Unterstützung sinnvoll sein. Hier haben sich spezielle Ergänzungsfuttermittel wie EQUIPUR - laminal sowie leberunterstützende Mischungen wie ;EQUIPUR - metabol bewährt, um den Stoffwechsel in dieser sensiblen Phase zu entlasten.
Kurz & Wichtig – Pferde richtig anweiden
- Schrittweise Gewöhnung: Der Beginn erfolgt mit sehr kurzen Weidezeiten von maximal 15 Minuten, die über einen Zeitraum von rund vier Wochen sukzessive verlängert werden (bei vorbelasteten Pferden verkürzt sich der Zeitraum auf 5 Minuten).
- Vorbereitende Fütterung: Um hastiges Fressen zu vermeiden, sollte vor dem Weidegang ausreichend Heu gefüttert werden. Kraftfuttergaben direkt vor oder unmittelbar nach der Weide sind zu vermeiden.
- Unterstützung der Verdauung: Ergänzende Futtermittel mit probiotischen Bestandteilen und Kräutern, wie beispielsweise EQUIPUR digest plus, können den Verdauungstrakt in der Umstellungsphase gezielt stabilisieren.
- Beachtung des Fruktangehalts: Hohe Fruktankonzentrationen im Gras erhöhen das Hufrehe-Risiko. Besonders nach sonnigen Tagen in Verbindung mit kühlen Nächten empfiehlt es sich, den Weidegang in die Nachmittagsstunden zu verlegen, da das Gras zu dieser Zeit weniger Fruktane einlagert.
- Besonderer Schutz für Risikopferde: Pferde mit einer Neigung zu Hufrehe erfordern ein besonders behutsames Vorgehen und sollten zu Beginn deutlich langsamer und grundsätzlich erst am Nachmittag angeweidet werden.
- Nährstoffversorgung: Während der gesamten Anweidezeit ist auf eine ausgewogene Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen zu achten.